Osterbotschaft
des Erzbischofs TICHON von Rusa,
Leiters der Diözese von Berlin und Deutschland
an den Klerus, die Mönche und Nonnen und die Laien
der Diözese von Berlin und Deutschland der Russischen Orthodoxen Kirche
Geliebte Väter,
ehrwürdige Mönche und Nonnen, liebe Brüder und Schwestern!
CHRISTUS IST AUFERSTANDEN!

 

Ich beglückwünsche Euch alle zum Fest des Heiligen Pascha! In dieser lichtstrahlenden
Nacht, die die nächtliche Stille durchbricht, erklingen feierlich die Worte des Ostergrußes,
die den Sieg Christi über den Tod verkünden. Noch gestern trauerten wir gemeinsam mit den
Aposteln über den Tod unseres geliebten Lehrers und Herrn, und heute feiern wir mit der
ganzen Welt – der sichtbaren und der unsichtbaren –: „Christus ist auferstanden, ewige
Freude“. Noch gestern schien die Hoffnung auf Erlösung verloren, und heute haben wir feste
Zuversicht auf das ewige Leben „im abendlosen Tag des Reiches Gottes“ gewonnen. Noch
gestern lastete der Schatten des Verfalls auf der Schöpfung, und heute künden wir allen und
jedem vom Sieg des Lebens über den Tod. Es gibt keine Wahrheit, die für das gläubige Herz
freudiger ist als die Wahrheit der Auferstehung Christi, und wir kennen keine besseren Worte
in dieser Welt als die Worte: „Christus ist auferstanden! Wahrhaft, Er ist auferstanden!“ Das
Leben ist nun voller Sinn und Freude, denn wir haben die Auferstehung Christi.
Der Weg zur Auferstehung begann bereits im Paradies. Der Mensch wurde von Gott für die
Ewigkeit geschaffen, doch durch die Sünde des erstgeschaffenen Adam hielt der Tod Einzug
in die menschliche Natur und wurde zum unvermeidlichen Schicksal eines jedes Menschen.
Um die Fesseln des Todes zu sprengen und das Haupt der unsichtbaren Schlange, des Teufels,
zu zertreten, kam der Sohn Gottes, unser Herr Jesus Christus, auf die Erde. Er nahm unsere
Natur an, wurde uns in allem gleich, außer in der Sünde, und opferte Sich selbst für die Sünden
der ganzen Menschheit. Obwohl der Sohn Gottes selbst ohne Sünde war, nahm Er unsere
Krankheit auf Sich, trug unsere Schmerzen (Jes 53,4), erlitt für uns den Tod am Kreuz und
erstand am dritten Tag von den Toten (Mt 28,6). Durch die Größe des Opfers wurde die
Ursache des Falls des Erstgeborenen – die Sünde – vernichtet, das Ebenbild Gottes im
Menschen wiederhergestellt, und noch mehr: Der Erlöser der Welt hat den Menschen zum
Teilhaber des Göttlichen Lebens gemacht, ihn als Sohn angenommen und ihn vergöttlicht.
„Alles, was wir im ersten Adam verloren haben“, sagt der ehrwürdige Theodoros der Studit,
„haben wir in Christus wiedererlangt.“ Durch Seine Auferstehung hat der Herr bezeugt, dass
Er wahrer Gott und wahrer Mensch ist.
Die Auferstehung Christi ist ein unschätzbares Geschenk, an dem wir alle teilhaben, die wir
uns in der Osternacht in den Kirchen versammelt haben, um, nach den Worten des heiligen
Bischofs Johannes Chrysostomos, das Festmahl des Glaubens zu genießen. „Der Sieg Christi
strahlt wie die Sonne helle Strahlen auf alle, die unter ihm stehen“, sagt der heilige Nikolaj
Velimirović. „Der Sieg Christi erfüllt alle menschlichen Herzen mit vollkommener Freude …
Christus hat nicht um Seiner selbst willen gesiegt, sondern um unseretwillen. Sein Sieg hat
Ihn weder größer noch lebendiger noch reicher gemacht; sondern er hat uns dazu gemacht.
Der Herr reicht jedem von uns mit beiden Händen Seinen Sieg entgegen und … freut sich,
wenn Sein Sieg uns zu Siegern macht.“ Der Sieg des Herrn über den Tod schenkt uns allen
die unerschütterliche Hoffnung, dass auch wir Ihm nachfolgend bei Seiner zweiten und
furchtgebietenden Wiederkunft zu neuem und ewigem Leben auferstehen werden – zu einem
Leben in Gemeinschaft mit Gott. Ehre und Dank sei dem Herrn, der uns gewährt hat, die
Freude Seiner Auferstehung zu kosten!
Welches Werk könnte größer sein als das, was der Herr für uns getan hat? Er hat alles getan,
um alle zu retten. Er hat uns die grenzenlose Kraft Seiner Liebe bewiesen. Gibt es überhaupt
irgendetwas, das mit Seinem Geschenk an uns vergleichbar wäre? Nein. Und was können wir
Ihm als Antwort auf Seine Liebe darbringen? Hört, was der Herr zu jedem von uns sagt: „Gib
mir, mein Sohn, dein Herz“ (Spr 23,26). Der Erlöser verweist auf das Wichtigste im
Menschen, auf den inneren Zustand und die Gesinnung seines Herzens, das Er bereit ist, mit
Sich selbst und mit dem Licht Seiner Auferstehung zu erfüllen. Nähern wir uns dem
Auferstandenen im Geist und im Glauben, übergeben wir Christus, dem Erlöser, „uns selbst,
einander und unser ganzes Leben“, hören wir auf Sein Wort und folgen wir Ihm nach auf
dem Weg der Erfüllung der Gebote des Evangeliums. Wer Christus nachfolgt, wer seine Seele
mit Tugenden schmückt, wer für Gott lebt und Ihm auf der Erde dient, die vom Licht Seiner
Auferstehung erhellt ist, der geht ein in die ewige Herrlichkeit des „neuen Himmels und der
neuen Erde“ (Offb 21,1). Dort wird es nichts geben, worüber man sich Sorgen machen
müsste, niemanden, vor dem man sich fürchten müsste. Dort werden sich alle lieben. Dort
wird unablässige Freude herrschen.
Von ganzem Herzen beglückwünsche ich Euch alle, meine Lieben, erneut zum Fest der
Auferstehung Christi! Möge die österliche Festfreude uns im rettenden Glauben stärken, uns
Mut und Kraft geben, den Versuchungen und Herausforderungen dieser Welt zu widerstehen.
Keine Sorgen, so groß sie auch sein mögen, vermögen unsere österliche Freude zu trüben,
denn der Auferstandene Herr hat uns verheißen, dass Er bei uns sein wird „alle Tage bis zum
Ende der Welt“ (Mt 28,20). „Kommt, lasst uns jubeln dem Herrn, jauchzen dem Fels unsres
Heils“ (Ps 94,1), ruft uns der Psalmist König David zu. Bringen wir dem Herrn unsere Gebete
und unsere Gefühle dankbarer Liebe dar. Lasst uns antworten auf die Liebe des Herrn am
Kreuz mit der Erfüllung Seiner Gebote (Jo 14,21). Wir wollen unsere Seele und unseren Leib,
denen die Auferstehung zum ewigen Leben bestimmt ist, in Reinheit und Heiligkeit
bewahren. Möge der auferstandene Erlöser Christus uns schenken, dass wir Ihn mit allen
Heiligen am abendlosen Tag des Reiches Gottes preisen.
CHRISTUS IST AUFERSTANDEN!
ER IST WAHRHAFT AUFERSTANDEN!
+ TICHON,
Erzbischof von Rusa,
Leiter der Diözese von Berlin und Deutschland
Pascha Christi
Berlin, 30. März / 12. April 2026